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Man sieht eine einfarbig gehaltene Zeichnung mit einem Frauenportrait 
Newsletter Pfarrei Heilige Edith Stein
 
Frauen am leeren Grab - russische Ikone (17. Jahrhundert)
 
© Wikimedia Commons (Ostersonntag) - Shakko
 
Nur ein paar Tücher ...
 

Es war nur ein Detail – aber es begleitet mich seit der Predigt von Pater Justin am „Passions-Sonntag“. Eigentlich geht’s dabei nur um ein paar Stücke Stoff.

Zweimal berichtet das Evangelium am Ostersonntag von den Leinen-Tüchern oder –Binden, in die sie den toten Jesus beim Begräbnis eingewickelt hatten. Jetzt liegen sie offenbar ordentlich zusammengefaltet oder eingerollt da in der Grab-Nische. Petrus sieht sie zuerst; der hatte zwar den Wettlauf zum Grab verloren, aber der „Lieblingsjünger“ lässt ihm ja den Vortritt. Und als Johannes dann selbst nachschaut, entdeckt er noch ein Detail: Das Gesichtstuch liegt extra zusammengebunden neben den anderen Verbänden. Nur ein bisschen Stoff, wie gesagt. Aber doch wichtig.

Am fünften Fastensonntag hat das Evangelium ja berichtet, dass Jesus seinen verstorbenen Freund Lazarus aus dem Grab herausruft. Und dann steht der da erst mal noch ein bisschen wie ein Gespenst herum: der ganze Körper eingebunden in diese Wickeltücher und das Gesicht mit dem Schweißtuch bedeckt. „Löst ihm die Binden“, sagt Jesus, „und lasst ihn weggehen.“ P. Justin hat darauf hingewiesen, dass da sozusagen Entwicklungshilfe stattfindet, schon im Johannes-Evangelium. Und dass dabei zugleich auch sichtbar wird, dass die Auferweckung, die Wiederbelebung der Toten mehr braucht als „nur“ ein Wunder: Andere Menschen müssen mithelfen; sie müssen den Auferweckten befreien von den stofflichen Fesseln des Todes, damit Lazarus wirklich umhergehen kann oder weggehen, wenn er will. Dass er weiter gehen kann in sein Leben – und das wird im Grunde ein Weiter-so-Leben sein, zusammen mit seinen Schwestern Maria und Marta und mit der Nachbarschaft; und wird wie jedes menschliche Leben irgendwann mit dem Tod enden.

Das ist bei Jesus radikal anders. Er braucht keine Entwicklungs-Hilfe. Der auferweckte Jesus hat eine ganz andere Kraft als ein ins Leben zurückgeholter Lazarus oder auch die Tochter des Jaïrus. Die müssen und können weiter leben, dürfen und sollen sich weiter entwickeln, mit allen Chancen und Risiken des menschlichen Lebens und weiter unterstützt von den Menschen bei ihnen.
Jesus dagegen ist „fertig“; Gott hat ihn in ein neues Leben gerufen. Er hat sich selbst befreit von den letzten Bindungen an das menschliche Leben und an seinen menschlichen Tod. Dafür, scheint mir, steht auch das Bild von den Leinenbinden, die da fein säuberlich in der Grabhöhle liegen. Die machen klar: Gottes liebevolle Macht hat den Tod endgültig abgeräumt – jedenfalls für den Einen, den wir seither den Christus nennen. Gott hat ihn mit wirklichem Leben und mit göttlicher Kraft gesalbt – da braucht es keine Stofftücher mehr wie vorher; die hatten ja nur die Leichensalben am toten Körper fixiert. Jetzt sind sie abgewickelt, beiseitegelegt, aber ordentlich und gut sichtbar. Sie sind noch wichtig – als Bild für das Neue Leben, zu dem Gott alle Menschen befreien will und auch weiterhin einlädt: zu einem Leben, das solche Bindungen und Abhängigkeiten hinter sich lassen soll, irgendwann einmal.

Das ist christliche Hoffnung und Zuversicht. Und solange es noch Zukunft ist, wird es wichtig bleiben, dass Christenmenschen weiter Entwicklungs-Hilfe leisten: gegenseitig, in Familie und Nachbarschaft und in der weiteren Umgebung von Stadt und Land; und auch im weltweiten Maßstab. Ent-wickelt ihn / sie – und lasst sie ihre eigenen Wege gehen!

Nur ein bisschen Stoff? Vielleicht nur ein kleines Zeichen für die große Hoffnung für Dich und mich persönlich und für die Menschen und die Welt: Dass das Leben am Ende eben doch stärker ist als der Tod!

Christus ist auferstanden – er ist wirklich auferstanden. Halleluja!

altfried g. rempe

 
DSC_3338_by_Manuela_Steffan_pfarrbriefservice
 
© Manuela_Steffan_pfarrbriefservice
 
Evangelium vom Ostersonntag
 

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.  Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. 

Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. 

 

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