„Glücklich der Mensch, der in der Versuchung standhält. Niemand, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht Böses tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung“. So steht es im Jakobus-Brief im Neuen Testament. Wenn die Gemeinde das ernst nimmt, widerspricht dem Jakobus-Brief eigentlich immer wieder: im Vaterunser heißt es ja: „und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“.
Gott führt uns nicht in Versuchung, hat Papst Franziskus schon vor ein paar Jahren gesagt: „Gott ist Vater und hilft sofort wieder aufzustehen. “ Jetzt also das Vaterunser verändern? Die katholische Kirche in Italien hat es getan; da beten sie jetzt „und überlasse uns nicht der Versuchung“. Das soll auch näher am griechischen BibelText sein – und damit näher an Jesus selbst, der seinen Leuten ja dieses Gebet gegeben hat. Mag sein – obwohl Jesus ja aramäisch geredet hat; aber das sind Feinheiten.
Die Deutsche Bischofskonferenz hält erst einmal am Text fest – und begrüßt, dass Christenmenschen über ihr wichtigstes Gebet nachdenken. Jesus lädt ja selbst ein: betet, statt zu plappern oder viele Worte zu machen. Und mit seiner Bitte „führe uns nicht in Versuchung“ taucht er ganz tief hinein in die Dramatik seines und jedes menschlichen Lebens. Die Versuchung hat Jesus ja selbst erlebt; das Evangelium am Sonntag berichtet davon. Am Anfang seiner Mission betet Jesus in der Wüste und kommt da in Versuchung: Mach dich selbst zum Herrscher der Welt. Jesus hat Widerstand geleistet – und er steht jeder und jedem bei, hoffe ich, die heute in Versuchung kommen, sich von Gott abzuwenden. Mir auch.
Vielleicht könnte das ein wenig deutlicher gesagt werden, auch im Vaterunser. Wenn ich es allein bete, sage ich auch schon mal „Überlasse uns nicht der Versuchung“ – aber die Zuversicht bleibt sowieso die gleiche: Jesus und der väterlich-mütterliche Gott ist bei mir; und hilft mir, hoffe ich, wie groß auch immer eine Versuchung zum Bösen sein mag. Denn das will Gott: Dass Menschen einander niemals Böses tun.
altfried g. rempe













