Die gute Nachricht versteckt sich ein bisschen, findet sich kurz vor dem Ende des Sonntags-Evangeliums. Und irgendjemand hat sie dann auch noch zu übermalen versucht; hat doch wieder eine Drohung draus gemacht. Aber genau hingeschaut, geht die Frohe Botschaft doch so:
Die Elite der Landes, die oberen Zehntausend (oder vielleicht nur Fünfhundert) – die haben ihre Chance gehabt und sie liegengelassen; oder haben sie tatsächlich die Kuriere ermordet, die ihnen die Einladung überbracht hatten? Jedenfalls gibt es eine neue Einladung – diesmal eher an die Leute vom gesellschaftlichen Rand; die leben meist da, wo die Städte und Dörfer ausfranseln in die Umgebung, wo es keinen Schutz mehr gibt durch Stadtmauern, Ordnungsdienste und Gesundheitsämter. Eingeladen fühlen dürfen sich vermutlich heute aber auch alle, die „ganz normal“ leben und sind, die sich mehr als „Mitte der Gesellschaft“ verstehen würden. Wirklich alle – was Jesus schon dadurch unterstreicht, dass er „die Bösen und die Guten“ rufen lässt – in dieser Reihenfolge!
Und die alle: schon klar, die sind gekommen, zu hunderten; brauchen sich ja eigentlich nur an den gedeckten Tisch zu setzen – ganz ohne erst etwas leisten zu müssen. Oder ist doch was gefordert? Scheint so.
Der Gastgeber-König geht durch die Reihen – wohl gemerkt: da hat er „die Bösen und die Guten“ vor sich; und denen begegnet er freundlich. Sind ja jetzt seine Gäste (und die des Brautpaares; das wartet wohl immer noch hinter dem Vorhang, dass es endlich losgeht mit ihrer Hochzeit…) Aber da steht einer (nur einer!) ohne Hochzeits-Gewand. Das hatten sie ihm an der Haustür des Palastes doch eigentlich angeboten, genau wie allen anderen. Denn natürlich hatte niemand ein Festgewand da draußen auf der Straße, von wo sie ja alle hergekommen sind. Aber das war üblich, sozusagen schon Teil einer königlichen Einladung: wir bestimmen den „dress code“ – und selbstverständlich legen wir die entsprechenden Obergewänder bereit; geschenkt – ist für jede und jeden eins da.
Dieser eine Mensch hat sich wohl gedacht: Wenn der König alle einlädt, wie sie sind – also auch böse Menschen: dann wird es ihm egal sein, wenn ich in den eigenen Klamotten auflaufe. Sonst hau ich wieder ab hier. Er (wie jede und jeder andere) hätte die Möglichkeit, ein neuer Mensch zu werden; dazu müsste er selber nur die Arme hochhalten und sich waschen und neu einkleiden lassen. Aber er hat sich anders entschieden.
Denn es geht um die Entscheidung: Du kannst gerne herein, sogar ohne selbst für deine Erneuerung zu sorgen. Ich selbst werde dich umkehren, dir die Füße waschen, du brauchst all das nur an dir geschehen zu lassen – aber das musst du!
Schade, dass die Geschichte dann so brutal endet – mit „raus in die Finsternis“… Jesus hätte den König doch auch so reden lassen können: Alter Freund, setz dich draußen vor die Tür und überleg, was du willst. Wenn du dich entschieden hast, melde dich; ich selber werde dich waschen. Aber entscheide dich! Da haben wohl ein paar radikale Kräfte in den Mattäus-Text eingegriffen, in der ganz frühen Kirche. Denen Jesus sowieso zu wenig radikal war, zu wenig gesetzes-treu. Die haben die Szene verschärft und schlimme Strafen verhängt. Dürfen wir überlesen – weil wir ja die Einladung zu schätzen wissen und gern annehmen; inklusive dem „neuen Menschen“, den wir anziehen dürfen: auch der (oder die) ist Teil der Einladung. Nehmen wir doch gern an!
altfried g. rempe (inspiriert von einem Text von Christoph Wrembek SJ, Bremen)













