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Herzlich willkommen bei der Pfarrei Heilige Edith Stein

Siebenmal Siebzigmal ...

Zwei sich beinah berührende Hände

Haben Sie schonmal darüber Buch geführt, wie oft sie einem Menschen etwas verzeihen mussten? Ich stelle mir vor, dass es nicht zur Regel gehört, mitzuzählen. Aber ich könnte mir ebenso gut vorstellen, dass es z. B. für mich diese eine Grenze gibt, ab der ich tatsächlich überlege, wie oft ich dieser Person schon vergeben habe.

Ebenfalls glaube ich, dass es auf die Art des Vergehens ankommt, die verziehen werden muss. Ist es eine Kleinigkeit, die mir nicht so wichtig ist, so dass mir das Verzeihen leichtfällt. Oder ist es eine schwerwiegendere Sache, die mich wirklich getroffen hat.

Und in welcher Beziehung stehe ich zu der anderen Person? Ist sie mir wichtig genug, dass ich gütig über Fehlverhalten hinwegsehen kann, oder ist unser Verhältnis angespannt, so dass ich mich lieber distanziere, als mich erneuter Kränkung auszusetzen?

Diese feinen Unterschiede werden im heutigen Evangelium gar nicht angesprochen. Jesus spricht eher generell die Regel aus: „Siebenmal siebzigmal sollst du verzeihen!“ Rechnerisch bedeutet das 490mal, biblisch gesprochen heißt es: immer!

Klar, das macht Sinn. Wenn ich jemandem 490 mal verziehen habe, dass kann ich mein Selbstwertgefühl gleich in die Tonne klopfen und eine „Vorababsolution“ verteilen, denn die Chance, dass sich mein Gegenüber ändert und mich eventuell irgendwann respektiert, ist gleich null. Aber das kann doch nicht das Ziel dessen sein, was Vergebung bedeutet.

Ich glaube, bei diesem Evangelium geht es um die eigene Haltung. So können wir uns zum Beispiel fragen:

Ist Vergeben können eine Sache des Willens, des Wollens? Und daraus folgernd; Was bedeutet es, wenn ich nicht vergeben kann? Hat Vergeben- oder Nicht-Vergeben-können einen Einfluss darauf, wie ich meinen Mitmenschen begegne? Und schließlich: Welchen Einfluss hat Vergeben oder Nicht-Vergeben auf meine Beziehung zu Gott.

Daniela Standard