Liebe Leserin, lieber Leser,
ich erinnere mich, dass ich bei diesem Gleichnis über die Arbeiter im Weinberg immer etwas zwiegespalten bin. Einerseits verstehe ich die Arbeiter durchaus, die sich darüber ärgern, dass sie den ganzen Tag für den gleichen Lohn arbeiten wie diejenigen, die sich nur wenige Stunden mühen müssen.
Auf der anderen Seite: Sie haben den vorgegebenen Bedingungen zugestimmt, und wenn der Winzer später weitere Arbeiter für das gleiche Geld einstellt, könnte dies ihnen doch egal sein. Denn sie haben ja keinen Verlust. Sie fühlen sich lediglich benachteiligt, weil andere weit weniger für das gleiche Geld arbeiten müssen, wie sie es tun. … Ob sie dann auf Risiko gegangen wären und sich erst später gemeldet hätten, wenn sie das gewusst hätten? Man weiß es nicht...
Klar ist jedenfalls, dass für alle Arbeiter der Lebensunterhalt für einen Tag gesichert war. Mit diesem einen Denar Lohn konnten sie alle ihre Familie zumindest heute ernähren. Diese Sicherheit hatten die ersten Arbeiter schon zu Beginn des Tages, die anderen mussten bis zum Abend bangen… Ob man in dieser Situation wirklich tauschen möchte, nur, um ein paar Stunden weniger zu arbeiten? Auch das weiß man nicht…
Ich kann mir jedoch vorstellen, welch ein Glück es für den einzelnen Arbeiter bedeutet, zu wissen: Heute können wir uns ein Essen leisten. Heute muss meine Familie nicht hungrig schlafen gehen. Ein Luxus, der für uns hier in unseren Breiten selbstverständlich ist, für die damaligen Menschen jedoch den Himmel bedeutet hat.
Und wenn wir schon über Himmel reden: Gibt es eigentlich mehr oder weniger Himmel? Hat jemand, der sein Leben lang quasi im Weinberg des Herrn gearbeitet hat, mehr Himmel verdient als jemand, der erst später dazu berufen wurde? Gib es Abstufungen von Himmel?
Ich bin sicher: Himmel ist Himmel. Und den Himmel kann sich der Mensch nicht allein verdienen. Gott hat uns alles gegeben, was wir brauchen, um in den Himmel zu gelangen. Wir müssen es nur annehmen und weitergeben. Und da, wo wir fehlen, wird uns Gottes Gnade dabei helfen.
Jesus nutzt dieses Gleichnis, um uns genau dies deutlich zu machen: Der Himmel ist offen für alle, die Zeit im Weinberg des Herrn verbringen.
Herzlich, Ihre Daniela Standard |