Liebe Leserin, lieber Leser,
bestimmt sind die meisten von uns schon einmal in die Situation gekommen, jemanden korrigieren zu müssen. Sei es wegen eines sachlichen Fehlers, Fehlverhaltens Ihnen oder anderen gegenüber.
Oder vielleicht hat der ein oder andere von uns umgekehrt schonmal „einen auf den Deckel“ bekommen.
Egal wie, beides ist unangenehm. Und am liebsten ist es mir, vor allem bei der zweiten Variante, dass niemand etwas davon mitbekommt und, wenn ich schon den Rüffel einstecken muss, dieser diskret und trotz allem respektvoll an mich herangetragen wird.
Grund genug, meine Mitmenschen ebenso respektvoll zu behandeln und sie nicht vor anderen bloßzustellen oder hinter ihrem Rücken schlecht über sie zu reden.
Genau diesen Auftrag gibt uns das heutige Evangelium. Von Theologen wird sein Text „Gemeindeordnung“ genannt. Weil die junge Christengemeinde damals eine Ordnung brauchte, um friedlich miteinander leben zu können – offensichtlich waren die Menschen damals auch nicht „heiliger“ als wir heute.
Diese „Gemeindeordnung“ beschreibt, wie Probleme mit einem Gemeindemitglied angegangen werden sollen. Drei Anläufe sind genannt: Gespräch zu zweit, dann mit Zeugen, und schließlich vor der Gemeinde. Und wenn auch das nicht fruchtet, dann soll man mit dieser Person umgehen wie mit einem Heiden (ungläubiger Mensch aus den Nationen) oder einem Zöllner (ungläubige Juden, die sich „auf das Niveau von Heiden“ herablassen und sich an anderen bereichern). Heiden und Zöllner waren für die damaligen Juden tabu, und nicht-belehrbare Mitglieder so zu behandeln bedeutete, sie aus der Gemeinschaft auszuschließen.
Auch wenn ich die letzte Konsequenz schon sehr drastisch finde (wahrscheinlich muss jedes Fehlverhalten differenziert betrachtet werden), so könnte es doch dem Selbstschutz dienen.
Jedenfalls ist für mich das Wichtigste an dieser „Gemeindeordnung“, respektvoll zu bleiben und im Prinzip so miteinander umzugehen, wie wir es selbst für uns wünschen.
Das hat jeder Mensch verdient, finden Sie nicht auch?
Herzlich, Ihre Daniela Standard
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