Liebe Leserin, lieber Leser,
Lukas präsentiert uns im heutigen Evangelium eine weitere „Benimm-Regel“. Passend zur Aussage des letzten Sonntags: „Die ersten werden die letzten sein …“ mahnt er heute: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Es geht hierbei um die Menschen, die sich selbst als wichtiger und wertvoller empfinden als andere. Ein Problem, das nicht nur vor knapp 2000 Jahren existierte, sondern auch heute immer noch brandaktuell ist. In einer Welt, in der wir uns oft mithilfe unserer Ellenbogen weiterbringen; in einer Welt, in der wir am liebsten die Armut aus unserem Blickfeld verbannen, damit wir sie nicht sehen können; in einer Welt, in der wir geflüchteten Menschen Geldzuwendungen neiden, obwohl wir selbst im Überfluss zu essen haben; in einer Welt, in der wir niemandem mehr vertrauen, weil wir in jedem Tun Boshaftigkeit, in jedem Fehler Absicht vermuten; in einer Welt, in der selbst die Sprache der Politiker immer mehr verroht, sind die Themen Demut und Bescheidenheit wichtiger denn je. Lukas sagt, dass wir Christen uns diesem Trend der gegenseitigen Drängelei und Unbarmherzigkeit entgegenstellen sollen, eine echte Alternative leben sollen. Dass wir uns selbst eher zurücknehmen sollen, damit andere den vorderen Platz erhalten können.
Ja, das klingt ziemlich uncool. Aber es ist genau das, was Gott gemacht hat. Er hat sich in Jesus Christus klein gemacht, schwach und hilflos. Menschlich eben. Um der Unmenschlichkeit, die sich immer wieder breitmacht, die Stirn zu bieten und eine echte Alternative anzubieten, damit sich die Welt zum Positiven verändert.
Ob es uns jemals jemand danken wird? Vermutlich nicht, und es sollte uns eigentlich auch egal sein, wenn das, was wir leben, Wirkung zeigt, selbst wenn es nur im Kleinen ist. Denn „Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“
Herzlich, Ihre Daniela Standard |