Kehrt um!
Laut DWDS (Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache) wird Umkehr neben dem für mich gebräuchlichen Verständnis wie „Auf dem eingeschlagenen Wege kehrtmachen und zurückgehen“ und „sich in eine entgegengesetzte Richtung oder Lage bringen, sich umdrehen/wenden“ auch definiert als „etwas von innen nach außen kehren“.
Bisher interpretierte ich Jesu Aufforderung „Kehrt um“ als Ermahnung, sich zu prüfen und das zu verändern, was nicht zu einem christlichen und nächstenliebenden Leben passt oder führt.
Aber noch nie bin ich auf den Gedanken gekommen, mein Innerstes wie eine Tasche von innen nach außen zu kehren. Ja, meine Handtasche kehre ich regelmäßig um. Wenn ich Krümel und Verunreinigungen auskippen möchte, oder wenn ich etwas suche (öfter mal meine Schlüssel …).
Und jedes Mal, wenn ich die Tasche wieder zurückstülpe, fühle ich mich zufrieden. Nicht nur ist sie dann sauber und aufgeräumt, sondern meistens habe ich auch meine Schlüssel wiedergefunden – und manchmal auch etwas anderes, von dem ich nicht mehr wusste, dass ich es in der Tasche hatte.
Was würde jetzt passieren, wenn ich mich mal „umstülpe“? Wenn ich die inneren Krümel im System entferne und dadurch Dinge/Werte wiederfinde, die ich spontan nicht gefunden oder an die ich gar nicht mehr gedacht habe?
Könnte Jesus mit „Kehrt um“ nicht auch so etwas gemeint haben? Denn nicht jeder, der unterwegs ist, muss umkehren im Sinne von „die Richtung wechseln“. Viele sind doch im Großen und Ganzen auf dem richtigen Weg. Leben nach christlichen Werten, bemühen sich friedlich und liebevoll miteinander umzugehen, achten auf mitmenschliche Werte, auf die Umwelt und sind im regelmäßigen Gespräch mit Gott. Und ja, sie sind nicht perfekt. Das müssen sie auch gar nicht sein – der Anspruch wäre auch nicht zu erreichen, geschweige denn zu halten, und würde unweigerlich zum Scheitern führen.
Es kann also auch nicht darum gehen, Perfektion anzustreben, damit man Jesus nachfolgen kann.
Vielleicht geht es darum, sich selbst einmal in liebevoller Art und Weise zu betrachten. Die kleinen Krümel, die nicht wirklich schlimm sind und oberflächlich gesehen kaum wahrgenommen werden, können in der Masse dafür sorgen, dass sie sich still und heimlich vermehren und wie Sand im Getriebe irgendwann dafür sorgen, dass etwas hakt. Besser, man schüttelt sie rechtzeitig und ohne viel Aufwand aus. Und dann findet man vielleicht verborgene Schätze, die wir aus dem Blick verloren haben, weil wir sie ein wenig zu tief in unsere innere Tasche gestopft haben.
Herzlich, Ihre Daniela Standard













